Was ist ein privatärztlicher Notdienst?
Ein privatärztlicher Notdienst bietet ärztliche Hausbesuche und Behandlungen außerhalb der regulären Sprechzeiten – für Privatversicherte und Selbstzahler. Anders als der kassenärztliche Bereitschaftsdienst (116 117) rechnen diese Dienste nach der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) ab.
Das Wichtigste auf einen Blick
- ✓ Hausbesuche außerhalb der Sprechzeiten (oft 7-23 Uhr, auch Wochenende)
- ✓ Für akute, nicht lebensbedrohliche Beschwerden
- ✓ Kosten: ca. 150-250 € (PKV erstattet meist 100%)
- ✓ Wartezeit: meist 60-120 Minuten
Definition: Privatärztlicher Notdienst
Ein privatärztlicher Notdienst ist ein medizinischer Bereitschaftsdienst, der ärztliche Versorgung außerhalb der regulären Praxis-Sprechzeiten anbietet. Die Leistungen richten sich primär an Privatversicherte und Selbstzahler. Die Abrechnung erfolgt nach der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) – direkt zwischen Arzt und Patient.
Abgrenzung zu anderen Diensten
| Dienst | Für wen? | Abrechnung |
|---|---|---|
| Privatärztlicher Notdienst | Privatversicherte, Selbstzahler | GOÄ (Privatrechnung) |
| Kassenärztlicher Bereitschaftsdienst (116 117) | Gesetzlich Versicherte | Über Krankenkasse |
| Rettungsdienst (112) | Alle (Notfall) | Kostenlos |
| Notaufnahme Krankenhaus | Alle | Je nach Versicherung |
Typische Leistungen
Privatärztliche Notdienste behandeln akute, aber nicht lebensbedrohliche Beschwerden:
- Infekte: Fieber, Erkältung, Grippe, Magen-Darm-Infekt
- Schmerzen: Kopfschmerzen, Rückenschmerzen, Bauchschmerzen
- Atemwege: Husten, Halsschmerzen, Bronchitis
- Kreislauf: Schwindel, Erschöpfung, Blutdruckprobleme
- Verletzungen: Leichte Unfälle, Prellungen, Verstauchungen
- Sonstiges: Allergische Reaktionen, Hautausschläge, Harnwegsinfekte
Wichtig: Bei lebensbedrohlichen Symptomen immer 112 rufen!
Starke Brustschmerzen, Atemnot, Bewusstlosigkeit, Lähmungen – hier ist der Rettungsdienst zuständig, nicht der privatärztliche Notdienst.
Wie funktioniert ein Hausbesuch?
- Kontakt: Patient ruft an oder bucht online
- Einschätzung: Medizinische Ersteinschätzung am Telefon
- Planung: Termin und voraussichtliche Ankunftszeit
- Besuch: Arzt kommt zum Patienten nach Hause
- Behandlung: Untersuchung, Diagnose, ggf. Medikamente
- Dokumentation: Rezepte, Krankschreibung, Überweisung bei Bedarf
- Abrechnung: Rechnung nach GOÄ, Erstattung durch PKV
Kosten und Abrechnung
Privatärztliche Leistungen werden nach der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) abgerechnet. Diese Verordnung legt fest, welche Leistungen wie berechnet werden dürfen.
Typische Kosten für einen Hausbesuch
Ein Hausbesuch mit Untersuchung und Beratung kostet in der Regel zwischen 150 und 250 Euro, abhängig von:
- Tageszeit (nachts und am Wochenende teurer)
- Anfahrtsweg
- Umfang der Behandlung
- Zusätzliche Leistungen (Labor, Infusion, etc.)
Wer übernimmt die Kosten?
| Versicherungsart | Kostenübernahme |
|---|---|
| Private Krankenversicherung (PKV) | In der Regel 100% |
| Beihilfe (Beamte) | Anteilig, Rest über PKV |
| Auslands-/Reiseversicherung | Meist vollständig |
| Gesetzliche Krankenversicherung (GKV) | Keine Erstattung* |
| Selbstzahler | Eigene Kosten |
*Unter bestimmten Voraussetzungen können auch GKV-Versicherte eine Erstattung beantragen.
Warum sind privatärztliche Notdienste wichtig?
1. Entlastung der Notaufnahmen
Krankenhäuser sind überlastet. Viele Patienten kommen mit Beschwerden, die keine Notaufnahme erfordern. Privatärztliche Notdienste bieten eine Alternative – der Patient wird zu Hause behandelt, die Notaufnahme bleibt für echte Notfälle frei.
2. Versorgung außerhalb der Sprechzeiten
Der kassenärztliche Bereitschaftsdienst (116 117) ist oft überlastet oder schwer erreichbar. Privatärztliche Notdienste schließen diese Versorgungslücke – schnell, zuverlässig und patientenorientiert.
3. Komfort für Patienten
Wer krank ist, möchte nicht stundenlang im Wartezimmer sitzen. Ein Hausbesuch ist bequemer, schonender und reduziert das Ansteckungsrisiko für andere.
Die GOÄ – kurz erklärt
Die Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) ist eine Rechtsverordnung der Bundesregierung. Sie regelt, wie privatärztliche Leistungen abgerechnet werden – also alle ärztlichen Tätigkeiten außerhalb der gesetzlichen Krankenversicherung.
Die letzte große Reform war 1996 – vor fast 30 Jahren. Viele moderne Leistungen (Telemedizin, neue Diagnostik) sind nicht abgebildet. Die Vergütungssätze entsprechen nicht mehr den heutigen Kosten. Eine Novellierung wird seit Jahren diskutiert.
Qualitätsmerkmale guter Notdienste
Woran erkennt man einen seriösen privatärztlichen Notdienst?
- Qualifizierte Ärzte: Approbation, Facharztstatus, regelmäßige Fortbildung
- Erreichbarkeit: Klare Servicezeiten, zuverlässige Reaktion
- Transparente Preise: Kosteninformation vor dem Besuch
- Professionelle Ausstattung: Notfallkoffer, Diagnostik, Medikamente
- Dokumentation: Ordnungsgemäße Rechnung, Behandlungsbericht
- Datenschutz: DSGVO-konforme Verarbeitung
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Anbieter finden →Häufige Fragen
Wann sollte ich einen privatärztlichen Notdienst rufen?
Bei akuten, aber nicht lebensbedrohlichen Beschwerden außerhalb der Praxis-Sprechzeiten – zum Beispiel Fieber, starke Schmerzen oder Magen-Darm-Infekt.
Was kostet ein Hausbesuch?
Je nach Tageszeit und Umfang zwischen 150 und 250 Euro. Privatversicherte bekommen die Kosten in der Regel erstattet.
Wie schnell kommt der Arzt?
Die meisten Anbieter sind innerhalb von 60-120 Minuten vor Ort.
Kann ich als Kassenpatient den Dienst nutzen?
Ja, aber Sie müssen die Kosten zunächst selbst tragen. Eine Erstattung durch die Krankenkasse ist möglich, aber nicht garantiert.
Was ist der Unterschied zur 116 117?
Die 116 117 ist der kassenärztliche Bereitschaftsdienst für gesetzlich Versicherte. Privatärztliche Notdienste rechnen nach GOÄ ab und sind oft schneller verfügbar.