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Ratgeber

Kein Hausbesuch vom KV-Dienst? Welche Alternativen Sie jetzt haben

Immer häufiger berichten Patienten, dass der kassenärztliche Bereitschaftsdienst unter 116117 keinen Hausbesuch anbieten kann. Längere Wartezeiten, weniger diensthabende Ärzte und eine strengere Ersteinschätzung sind die Gründe. Erfahren Sie, welche Alternativen es gibt – und was ein privatärztlicher Hausbesuch kostet.

KV-Bereitschaftsdienst (116117) vs. privatärztlicher Hausbesuch: Links ein KV-Dienst-Fahrzeug, in der Mitte ein Arzt bei einem Hausbesuch, rechts ein privatärztliches Notdienstfahrzeug

Kosten auf einen Blick

Was kostet ein Arzt-Hausbesuch?

Ein privatärztlicher Hausbesuch kostet als Selbstzahler in der Regel zwischen 150 und 250 Euro. Die Abrechnung erfolgt nach der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ). Privatversicherte und Beihilfeberechtigte bekommen die Kosten in der Regel vollständig erstattet. Ein kinderärztlicher Hausbesuch liegt bei 100 bis 180 Euro. Der genaue Preis hängt von Uhrzeit, Anfahrtsweg und Behandlungsumfang ab.

150–250 €

Selbstzahler / GKV

0 €

Privatversicherte

100–180 €

Kinder (Selbstzahler)

Kostendetails, GOÄ-Abrechnung und Erstattung

Drei Wege zur ärztlichen Versorgung im Vergleich

116117

KV-Bereitschaftsdienst

Für gesetzlich Versicherte

  • Kostenlos für Kassenpatienten
  • Wartezeit: oft mehrere Stunden
  • Hausbesuch nur bei Immobilität
  • Eingeschränkte Kapazitäten

Notaufnahme

Nur für akute Notfälle

  • Kostenlos mit Versicherung
  • Wartezeit: 2–6 Stunden
  • Kein Hausbesuch möglich
  • Oft überfüllt

Privatärztlicher Hausbesuch

Auch für Selbstzahler

  • 150–250 € (GOÄ)
  • Arzt in 60–90 Minuten vor Ort
  • Behandlung zu Hause
  • Auch abends und am Wochenende

Warum werden Hausbesuche vom KV-Dienst seltener?

Deutschlandweit berichten immer mehr Patienten, dass sie über die 116117 keinen Hausbesuch mehr erhalten. Die Gründe dafür sind strukturell: Ein Urteil des Bundessozialgerichts hat festgelegt, dass sogenannte Poolärzte – freiberufliche Ärzte, die den Bereitschaftsdienst der Kassenärztlichen Vereinigungen unterstützt haben – sozialversicherungspflichtig sind. Viele KVen können sich die daraus resultierenden Kosten nicht leisten. Die Folge: Deutlich weniger Ärzte stehen für Hausbesuche zur Verfügung. Wie der Ratgeber von arztbesuche.de ausführlich beschreibt, hat allein Berlin durch dieses Urteil 111 Poolärzte verloren, die zuvor rund die Hälfte der Dienststunden übernommen hatten.

Hinzu kommt die seit 2018 eingesetzte Software SmED (Strukturierte medizinische Ersteinschätzung in Deutschland). Wenn Sie die 116117 anrufen, bewertet geschultes Fachpersonal mithilfe dieser Software die Dringlichkeit Ihrer Beschwerden und empfiehlt die passende Versorgungsebene: Notaufnahme, Bereitschaftspraxis, Hausbesuch oder Arztbesuch am nächsten Werktag. Laut der KV Berlin wird ein Hausbesuch nur noch veranlasst, wenn Sie aus gesundheitlichen Gründen nicht in der Lage sind, selbst eine Praxis aufzusuchen.

Die Entwicklung in Zahlen

170.000

Hausbesuche Berlin 2018

72.000

Hausbesuche Berlin 2023

–58 %

Rückgang in 5 Jahren

Die Berliner Gesundheitsverwaltung listet die 116117 als erste Anlaufstelle für dringende ärztliche Versorgung. Doch die Realität zeigt: Zu Spitzenzeiten – besonders abends ab 19 Uhr und an Wochenenden – sind die Wartezeiten für einen Hausbesuch erheblich. Viele Patienten beauftragen daher in der Zwischenzeit einen privatärztlichen Notdienst oder fahren mit dem Taxi in die nächste Notaufnahme.

KV-Bereitschaftsdienst im Stau: Fahrzeug mit 116117-Beschriftung steht im Verkehr, während eine Patientin zu Hause mit Fieber auf ärztliche Hilfe wartet

Kein Hausbesuch vom KV-Dienst? Ihre Optionen

Wenn der kassenärztliche Bereitschaftsdienst keinen Hausbesuch anbieten kann, stehen Ihnen mehrere Alternativen zur Verfügung. Entscheidend ist die Schwere Ihrer Beschwerden:

1

KV-Notdienstpraxis aufsuchen

In sprechstundenfreien Zeiten bieten die KV-Notdienstpraxen ambulante Versorgung – kostenlos für gesetzlich Versicherte. Die nächste Praxis finden Sie über das Patienten-Navi der 116117.

2

Ärztliche Telefonberatung über 116117

Auch ohne Hausbesuch können Sie sich rund um die Uhr telefonisch beraten lassen. Medizinisches Fachpersonal schätzt Ihre Beschwerden ein und empfiehlt das weitere Vorgehen. Häufig reicht eine Beratung aus, um die Zeit bis zum nächsten Arztbesuch zu überbrücken.

3

Privatärztlichen Hausbesuch buchen

Auch als gesetzlich Versicherter können Sie einen privatärztlichen Hausbesuch auf Selbstzahler-Basis buchen. Ein Arzt kommt innerhalb von 60 bis 90 Minuten zu Ihnen – ohne lange Wartezeiten. Die Kosten liegen bei 150 bis 250 Euro und werden nach der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) abgerechnet.

4

Bereitschaftspraxis online finden

Auf 116117.de können Sie über die Postleitzahl-Suche die nächste diensthabende Bereitschaftspraxis finden – auch ohne anzurufen.

5

Notruf 112 bei Lebensgefahr

Bei lebensbedrohlichen Symptomen wie Bewusstlosigkeit, Brustschmerzen oder akuter Atemnot ist die 116117 die falsche Anlaufstelle. Rufen Sie sofort die 112. Mehr dazu in unserem Ratgeber: Notfall oder Notdienst?

Was kostet ein privatärztlicher Hausbesuch?

Die Kosten eines privatärztlichen Hausbesuchs richten sich nach der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ). Anders als in der Notaufnahme, wo Sie möglicherweise stundenlang warten, kommt der Arzt direkt zu Ihnen – mit einer transparenten Abrechnung.

💶

Selbstzahler

150–250 €

Je nach Uhrzeit, Anfahrt und Behandlungsumfang. Abrechnung nach GOÄ-Ziffern 48/50–52 zzgl. Wegegeld. Zahlung per EC-Karte, Kreditkarte oder bar.

🏥

Privatversicherte

0 € Eigenanteil

Private Krankenversicherungen und Beihilfestellen erstatten die Kosten eines Hausbesuchs in der Regel vollständig. Die Rechnung reichen Sie bei Ihrer Versicherung ein.

👶

Kinderärztlicher Hausbesuch

100–180 €

Kinderärztliche Hausbesuche sind oft günstiger. Die Kosten variieren je nach Wochentag und Uhrzeit. Für privat versicherte Kinder: vollständige Erstattung.

📊

Preisfaktoren

Uhrzeit: Nachts und am Wochenende höhere Zuschläge
Anfahrt: Wegegeld nach Entfernung
Behandlung: Je nach Untersuchungsumfang, Medikamenten und Diagnostik

Auf einen Blick: Ihre Optionen im Vergleich

Kriterium 116117 Notaufnahme Privatärztlich
Kosten (GKV) Kostenlos Kostenlos 150–250 €
Wartezeit 1–6 Stunden 2–6 Stunden 60–90 Min
Hausbesuch Nur bei Immobilität ✓ Immer
Verfügbarkeit 24/7 (eingeschränkt) 24/7 Meist 6–24 Uhr
Behandlungsort Praxis / zu Hause Krankenhaus Bei Ihnen zu Hause
Geeignet für Alle GKV-Versicherten Akute Notfälle Privat & Selbstzahler
Vergleich Notaufnahme und privatärztlicher Hausbesuch: Links behandeln Ärzte einen Patienten auf einer Trage in der Notaufnahme, rechts misst ein Arzt beim Hausbesuch den Blutdruck eines Patienten

So läuft ein privatärztlicher Hausbesuch ab

1

Kontakt aufnehmen

Rufen Sie den privatärztlichen Notdienst an oder buchen Sie online. Schildern Sie Ihre Beschwerden und Ihren Standort.

2

Arzt kommt zu Ihnen

Ein Arzt macht sich innerhalb von 60 bis 90 Minuten auf den Weg zu Ihnen – nach Hause, ins Büro oder ins Hotel.

3

Untersuchung & Behandlung

Der Arzt untersucht Sie, stellt eine Diagnose und leitet die Behandlung ein. Er kann Medikamente verordnen und Krankmeldungen ausstellen.

4

Transparente Abrechnung

Die Abrechnung erfolgt nach GOÄ. Privatversicherte reichen die Rechnung ein. Selbstzahler können per EC-Karte, Kreditkarte oder bar bezahlen.

Gut zu wissen

Immer mehr gesetzlich Versicherte buchen einen privatärztlichen Hausbesuch als Selbstzahler – besonders wenn der KV-Bereitschaftsdienst keinen zeitnahen Hausbesuch anbieten kann. Sie haben ein Recht auf schnelle ärztliche Versorgung. Wenn das System an seine Grenzen stößt, ist ein privatärztlicher Hausbesuch eine sinnvolle und legale Alternative.

Häufige Fragen zu KV-Dienst, Hausbesuch und Kosten

Warum bekomme ich keinen Hausbesuch vom KV-Bereitschaftsdienst?

Die Leitstelle unter 116117 nutzt die Software SmED zur Ersteinschätzung. Ein Hausbesuch wird nur veranlasst, wenn Sie aus gesundheitlichen Gründen keine Praxis aufsuchen können. Häufige Gründe für eine Ablehnung: Sie gelten als mobil genug, Ihre Beschwerden werden als nicht dringend genug eingestuft, oder es fehlen diensthabende Ärzte. Seit einem BSG-Urteil müssen Poolärzte sozialversichert werden – viele KVen können sich das nicht leisten, was die Personaldecke weiter ausdünnt.

Was kostet ein privatärztlicher Hausbesuch als Selbstzahler?

Ein privatärztlicher Hausbesuch kostet als Selbstzahler in der Regel zwischen 150 und 250 Euro. Die Abrechnung erfolgt nach der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ). Der genaue Preis hängt von Uhrzeit, Anfahrtsweg und Behandlungsumfang ab. Ein kinderärztlicher Hausbesuch liegt bei 100 bis 180 Euro. Privatversicherte bekommen die Kosten in der Regel vollständig erstattet.

Wie schnell kommt ein Privatarzt zum Hausbesuch?

Ein privatärztlicher Notdienst kann in der Regel innerhalb von 60 bis 90 Minuten bei Ihnen sein. Der Arzt kommt direkt zu Ihnen nach Hause, ins Büro oder ins Hotel. Das ist deutlich schneller als die Wartezeiten beim KV-Bereitschaftsdienst oder in der Notaufnahme, die mehrere Stunden betragen können.

Kann ich als gesetzlich Versicherter einen privatärztlichen Hausbesuch buchen?

Ja. Immer mehr gesetzlich Versicherte nutzen privatärztliche Hausbesuche als Selbstzahler – besonders wenn der KV-Bereitschaftsdienst keinen zeitnahen Hausbesuch anbieten kann. Sie zahlen die Behandlung selbst nach GOÄ. Eine Erstattung durch die gesetzliche Krankenkasse erfolgt in der Regel nicht, jedoch können Sie die Rechnung steuerlich als außergewöhnliche Belastung geltend machen.

Was ist der Unterschied zwischen KV-Bereitschaftsdienst und privatärztlichem Notdienst?

Der KV-Bereitschaftsdienst (116117) ist für alle gesetzlich Versicherten kostenlos, hat aber eingeschränkte Kapazitäten und lange Wartezeiten. Ein privatärztlicher Notdienst kostet 150 bis 250 Euro, kommt aber innerhalb von 60 bis 90 Minuten zu Ihnen nach Hause. Beide behandeln akute, nicht lebensbedrohliche Beschwerden. Bei lebensbedrohlichen Notfällen gilt immer: 112 rufen.

Welche Beschwerden behandelt ein Arzt beim Hausbesuch?

Ein Arzt beim Hausbesuch behandelt akute, nicht lebensbedrohliche Beschwerden: Fieber und Infekte, Magen-Darm-Erkrankungen, Rückenschmerzen, Harnwegsinfekte, Hautausschläge, Ohrenschmerzen, akute Atemwegserkrankungen und leichte Verletzungen. Er kann vor Ort untersuchen, Medikamente verordnen und Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen ausstellen.

Wann sollte ich in die Notaufnahme statt auf einen Hausbesuch zu warten?

Gehen Sie in die Notaufnahme oder rufen Sie die 112 bei: Bewusstlosigkeit, Brustschmerzen, akuter Atemnot, Verdacht auf Schlaganfall, starken Blutungen oder schweren Unfallverletzungen. Wenn Ihre Beschwerden nicht lebensbedrohlich sind, aber keinen Aufschub dulden, ist ein privatärztlicher Hausbesuch die komfortablere Alternative zur überfüllten Notaufnahme.

Übernimmt meine Krankenkasse die Kosten für einen privatärztlichen Hausbesuch?

Private Krankenversicherungen und Beihilfestellen übernehmen die Kosten eines privatärztlichen Hausbesuchs in der Regel vollständig. Gesetzliche Krankenkassen erstatten die Kosten normalerweise nicht, da die Behandlung außerhalb des GKV-Systems erfolgt. Einige Zusatzversicherungen für ambulante Behandlungen können jedoch eine Erstattung ermöglichen.

Privatärztlichen Notdienst in Ihrer Stadt finden

PriNoDi listet privatärztliche Notdienste mit Hausbesuch in 17 deutschen Großstädten. Finden Sie schnelle ärztliche Hilfe in Ihrer Nähe – auch als Selbstzahler.